Kristallomantie
oder die Deutung durch die Kristallkugel
Noch heute stellt die Kristallkugel das repräsentativste Werkzeug des Hellsehers dar. Diese Kunst des Wahrsagens ist eine der ältesten und natürlichsten, die es gibt.
Auf die übliche Art und Weise die Zukunft in einer Kristallkugel lesen? Ja, geht denn das wirklich? Ja, meinen viele Hellseher, die anhand dieses Mediums die nahe oder ferne Zukunft der Menschen aufdecken, die sie konsultieren, ohne dabei genau zu wissen, wieso oder warum es funktioniert - falls es denn wirklich funktioniert.
Der Ursprung der Kristallomantie
Man stelle sich das Staunen, ja sorgar die Furcht vor, die derjenige empfindet, der auf einer Eisoberfläche stürzt oder sich über einen klaren Bach beugt, um aus ihm Wasser zu trinken, und dabei zum ersten Mal das eigene Gesicht sieht, ohne es sofort als das eigene zu erkennen? Nicht von ungefähr gab es in allen Kulturen und Zivilisationen zahlreiche Gewässer-, Quellen-, Teich-, See- und Eisgeister. Wenn der Mensch sich dem Wassr näherte, sah er die Widerspiegelung eines immateriellen, ungreifbaren Wesens, das ihm ähnlich sah. Und das empfand er wohl schließlich als doppelt magisch. Aber darin las er auch noch Zeichen, die von den Bewegungen des Wassers - den Wellen, Wirbeln, Strudeln und Bläschen - offenbart wurden.
Die Grundbegriffe des Wahrsagens anhand des Kristalls verschmelzen sich also mit der Entdeckung des natürlichen Spiegels und dem Bewußtwerden über den Doppelgänger und die Seele, das sich in der griechischen Legende der Psyche wiederfindet. Katoptromantie oder Deutung anhand eines Spiegels, war üblich unter griechischen Magiern und Hellsehern, die einen Spiegel ins Wasser von Springbrunnen oder heiligen Quellen eintauchten, um darin Zeichen zu lesen. Im alten China benutzte man Spiegel aus polierter Bronze, die mit mythischen, kosmologischen und astrologischen Symbolen verziert waren, um Widerspiegelungen der beschworenen Dämonen zu finden.
Die Kristallkugel, wie wir Sie heute nennen, ist weitaus jüngeren Datums. Sie stammt aus dem mittelalterlichen Frankreich des 13. Jh. und wurde ohne Zweifel aus dem Orient eingeführt, wo die Kunst der Kristallgravur vom Silberschmied ausgeübt wird. Pierre Clouet hieß ein bekannter Kristallgraveur, der den Thron des französischen Königs Johann II, des guten, dekorierte. Ihm wird die Erfindung der Kristallkugel zugeschrieben. Aus Bergkristall oder Quarz werden seit frühesten Zeiten kostbare ode heilige Gegenstände angefertigt.
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